Goldene Regeln
Zum Zentrum gehören:
Gemeinsame Stellungnahme von DNR, DOSB und KS&N
zu Erholung und Natursport im neuen Umweltgesetzbuch
Der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Kuratorium Sport und Natur (KS&N) begrüßen die Schaffung eines Umweltgesetzbuches mit den Zielen einer Vereinfachung und Vereinheitlichung. Zur Verbesserung des Entwurfes wird hiermit eine gemeinsame Stellungnahme vorgelegt ( siehe Datei und Link):
Vereinbarung Natur Sport Kuratorium
oder
Als Vorbild für die Vereinbarkeit von Sport und Naturschutz im Biosphärenseservat Pfälzerwald
ist die Zusammenarbeit der Pfälzer-Kletterer e.V. mit der Naturschutzverwaltung zu sehen.
Klettern und Naturschutz im Wasgau-Felsenland
Seit Anfang des Jahrhunderts wird an den roten Buntsandsteinfelsen der Südpfalz geklettert. Als im Jahre 1919 am Fuße des Asselsteins bei Annweiler die Vereinigung der Pfälzer Kletterer (PK) gegründet wurde dachte wohl keiner der damals aktiven Kletterer daran, dass es einmal zu Konflikten mit dem Naturschutz kommen könnte. Im Gegenteil, man verstand sich als Teil der Natur. In den Mitte der 20er Jahre erstellten Kletterregeln heißt es zum Beispiel: "Bedenken sie, daß noch viele Generationen nach Ihnen kommen, die auch ein Recht auf die natürlichen Felsen haben." Da bis Ende der sechziger Jahre die Zahl der aktiven Kletterer recht klein blieb, gab es für Jahrzehnte auch keinerlei Probleme in Bezug auf den Naturschutz. Als im Jahre 1959 am Klosterfels der letzte Wanderfalkenhorst, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, geplündert wurde, erstatte die PK Strafanzeige. Gleichwohl galt der Vogel für die nächsten 27 Jahre in der Pfalz als ausgestorben.
Im Jahre 1985 stellte man fest, daß der Wanderfalke, bedingt durch den Populationsdruck imn den Nordvogesen, wo er inzwischen wieder heimisch geworden war, wieder in der Pfalz brüten wollte. Fälschlicherweise ging man von Seiten der Vogelschutzverbände davon aus, daß der Kletterbetrieb mit die Hauptursache für das Aussterben gewesen sei. Es wurde daher, ohne Rücksprache mit den Kletterern an 10 Felsen ein absolutes Kletterverbot erlassen, was natürlich auf den erbitterten Wiederstand der Kletterer stieß.
Die Sperrungen wurden danach teilweise wieder aufgehoben, aber zur Brut von Wanderfalken kam es in dieser Zeit auch nicht.
Die Vereinigung der Pfälzer Kletterer erkannte schon frühzeitig, daß man die Probleme nur im Dialog lösen kann und begann, mit Naturschutzverbänden und Behörden zusammenzuarbeiten. Der Deutsche Alpenverein,(DAV) dessen Sektionsmitglieder ebenfalls einen starken Anteil der Kletterer bilden sowie die NaturFreunde wurden in diesen Dialog mit einbezogen. Aufgrund einer Initialtive der DAV- Jugend und der PK gründete sich dann im Sommer 1988 der Arbeitskreis "Klettern und Naturschutz Pfalz", dem alle in der Südpfalz tätigen Natur- und Vogelschutzverbände sowie die Klettervereine und die Umweltschutzbehörden der Landkreise Südwestpfalz und Südliche Weinstraße angehören. Der Arbeitskreis und seine Fachgruppen werden seit 20 Jahren von Präsidiumsmitgliedern der Pfälzer Kletterer geleitet.
Seither finden regelmäßige Treffen statt, auf denen zum Beispiel in der Fachgruppe „Felssperrungen und Vogelschutz“ die Vorgehensweise bezüglich der Felssperrungen besprochen und einvernehmlich festgelegt wird. Die Brutfelsen sind auf der Grundlage eines gemeinsammen Arbeitspapieres während der Brut und Aufzuchtsphase der Wanderfalken vom 1.2. bis 1.7. gesperrt. Dies wird den Kletterern über die örtliche Presse, die Schaukästen der PK im Klettergebiet und das Internet ( HYPERLINK "http://www.pfaelzer-kletterer.de" www.pfaelzer-kletterer.de) bekanntgemacht. Zusätzlich weisen Schilder an den betroffenen Felsen auf die Sperrung hin. Des weiteren werden die Falkenhorste während der Brut Tag und Nacht von freiwilligen Helfern, zu denen auch Kletterer zählen, bewacht, um Störungen fern zu halten und den Nestraub zu verhindern.
Das erfreuliche Ergebnis dieser gemeinsamen Bemühungen ist die erfolgreiche Wiederansiedlung des Wanderfalken im Pfälzerwald durch eine unterdessen äußerst stabile Population. Der südliche Pfälzerwald wurde zu einem der zur Zeit am dichtesten von Wanderfalken besiedelten Gebiete Deutschlands.
Ein weiterer Aspekt der weitgehend auf freiwiller Selbstbeschränkung basierenden Zusammenarbeit ist die Sensibilisierung der Klettersporttreibenden für die Probleme des Naturschutzes. Deshalb erarbeitete die Vereinigung der Pfälzer Kletterer im Frühjahr 1990 auf der Grundlage der langjährigen Kletterregelungen "Richtlinien für sanftes Klettern im Wasgau-Felsenland", die im Jahre 2005 unter Mitwirkung der Behörden nochmals überarbeitet und verschärft wurden. Diese beinhalten unter Anderem folgendes:
- Keine künstlichen Neutouren anlegen. Das heißt Griffe schlagen, Kieselsteine anbetonieren und Ähnliches.
- Weitgehender Verzicht auf schweißabsorbierende Mittel wie Magnesia. (Verwendung nur in den obersten Schwierigkeitsgraden)
- Verbot des Veränderns von klassischen Kletterrouten sowie Zurückhaltung beim Erschließen neuer Kletterwege, z. B. kein Entfernen von Pflanzen.
Für die Umsetzung der Kletterrichtlinien sowie das Sanieren von Kletterrouten ist die Fachgruppe „Sanierung und Sicherheit“(SANSI) im Arbeitkreis Klettern und Naturschutz zuständig.
Das Anlegen einheitlicher Zu- und Abstiegswege zu den Felsen sowie das Verbauen vieler zusätzlich entstandener Trampelpfade wird durch die Fachgruppe „Wegebau und Patenschaften“ geregelt..
Die Pfalz gilt heute unter den deutschen Mittelgebirgsklettergebieten als Vorbild. Durch intensiven Informationsaustausch sowie einsichtiges und kooperatives Handeln von Natur- und Sportvereinen wird unter Vermittlung behördlicher Stellen Konfliktlösung betrieben. Der Vorteil der, von einem gemeinsamen Grundkonsens getragenen Lösung des Konfliktes Klettern und Naturschutz liegt auf der Hand: Kletterer werden nicht aus ihrem Heimatgebiet verdrängt sondern aktiv in die Naturschutzarbeit eingebunden. Ein Klettertourismus, als Folge von mangelnden Möglichkeiten der Sportausübung wird vermieden. Die „Pfälzer Lösung“ hat dagegen die Sensibilisierung der meist jungen Kletterer für die Belange des Natur- und Umweltschutzes und damit einen nicht zu unterschätzenden gesamtgesellschaftlichen Nutzen als Folge. Massvoll ausgeübter, wenig Spuren hinterlassender Klettersport entspricht zudem der Zielsetzung des Biosphärenreservates Pfälzerwald, Naturschutz und menschliche Nutzung einvernehmlich zu gestalten.
Heinz Illner, Präsident der Vereinigung der Pfälzer Kletterer e.V., April 2009













